Titelbild | Martin Kemner

Aus der Perspektive eines Bremerhavener Theaterstücks und aus meiner eigenen Sicht

Jeder scheitert. Von klein auf. Bei den ersten Gehversuchen fallen wir hin. Und stehen wieder auf. Irgendwann beginnen wir zu laufen. Dann werden wir größer - und scheitern wieder. An unseren eigenen Ansprüchen oder an den Ansprüchen anderer Leute. Trotzdem geht das Leben weiter. Dass das Scheitern auch künstlerisch umgesetzt werden kann, zeigt der Schauspieler und Regisseur Martin Kemner, der zusammen mit Claudia Hanfgarn, Alexandra Gesch und Vivian Glade an einem interkulturellen und intergenerativen Musik-Tanz-Theaterstück in Bremerhaven mit dem Titel „schöner. scheitern.“ arbeitet. Ich habe mich mit ihm getroffen.

Oder: Wie man „schöner“ scheitern kann

Jonathan: Wie kommst du auf das Thema „Scheitern“?

Kemner: Ich habe mich mit dem Scheitern ein Leben lang beschäftigt, Scheitern ist im Grunde die Haupterfahrung eines jeden Menschen. Man scheitert öfter, als man Erfolg hat. Ich scheitere mittlerweile seit 58 Jahren, kenne mich also aus. Für meine generations- und kulturübergreifenden Projekte suche ich immer ein Thema, das für alle präsent ist und mit dem ich mich selbst auskenne. In anderen Projekten, speziell bei meiner Arbeit mit jungen Menschen, habe ich festgestellt: die können noch viel heftiger scheitern als ich in ihrem Alter. Mit 15/16 Jahren hatte ich meine Peergroup mit der ich mich vergleichen musste, ich war z.B. in einer Band und verglich mich mit anderen lokalen Bands, träumte bestenfalls davon, an die ganz Großen heranzureichen. Heute kannst du dich direkt mit all den anderen „Normalos“ vergleichen, die immer alles besser können als du.

In einem Schul-Projekt von mir mit dem Titel „Zeig mir, was du kannst“ gibt es zum Beispiel einen Jugendlichen, der hat Lust, BMX-Rad zu fahren und scheitert natürlich erst mal. Er hat aber immer die Könner auf Youtube vor Augen. Bis zu einem gewissen Grade kann das ein Ansporn sein, irgendwann ist es aber nur noch frustrierend. Man bekommt ständig über alle möglichen Medien Vorbilder gezeigt. Dadurch wird deutlich: das Scheitern ist letztendlich immer das Scheitern an den eigenen Ansprüchen.

Scheitern war peinlich und man versuchte das zu verbergen

In diesem Themenkreis hat sich das bewegt, auf der Suche nach einem Thema, was für junge, alte und Menschen aus verschiedensten Kulturen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenhängt. Das war der Grund, warum ich mich mit dem Thema künstlerisch auseinandergesetzt habe. Eine Geschichte, die da auch mitläuft, kommt von einem meiner Lieblingsautoren Samuel Beckett. Ein Autor, der sich oft mit dem Thema beschäftigt hat. Ein Zitat von ihm kommt auch im Stück vor: „Ever tried, ever failed, no matter. Try again. Fail again. Fail better“.

Jonathan: Wie kann jemand „schön scheitern“?

Kemner: Von früher kenne ich das nicht so. Scheitern war peinlich und man versuchte das zu verbergen, zu verstecken. Heutzutage wird eher gelogen und umgedeutet. Es gibt im Internet z.B. ernsthafte Anleitungen, wie man z.B. einen Swimmingpool der in der Realität enttäuscht, so fotografiert, dass er aussieht wie der Traumpool. Dazu braucht man noch nicht mal Photoshop. Von Profilbildern will ich gar nicht erst anfangen. Man muss sich ständig präsentieren und vermarkten: auf Instagram, Facebook, Snapchat, Tinder. Dort wird alles extrem positiv dargestellt. Es gibt Leute, die sagen, dass jedes Scheitern die Chance für einen Neuanfang ist. Man dreht sich erst mal diesen Moment des Scheiterns positiv. Das finde ich grundsätzlich gut. Ich habe mich auch dazu entschieden, Optimist zu sein. Ich finde aber, dass der Frust und die Trauer über das Scheitern einen gewissen Platz braucht. Insofern ist der Titel des Theaterstücks „schöner.scheitern.“ ein etwas ironischer Titel, weil Scheitern erst mal unschön ist. Man hat was vor, man scheitert an seinen Ansprüchen, an den Aufgaben. Aber der Raum für das Bedauern und das Ärgern darüber sollte da sein. Dann kann man sich auf den Weg machen und aus seinen Fehlern lernen. Von vornherein ist aber klar: man wird immer scheitern. Wir untersuchen mit unseren Mitspielerinnen und Mitspielern das Thema „Scheitern“ auf verschiedenen Ebenen. Ob beim Singen, Tanzen oder Spielen – da scheitern sie dauernd (lacht) und sie merken: Es geht voran. Aus jedem Scheitern lernen wir und insofern ist es ein schönes Scheitern.

Ich habe mich dazu entschieden, Optimist zu sein

Jonathan: In welchem Genre ist das Stück angesiedelt?

Kemner: Also bei einem Theaterstück hat man gleich die Vorstellung, dass eine Geschichte von Anfang bis Ende erzählt wird. Natürlich gibt es einen roten Faden. Wir machen seit vielen Jahren Projekte dieser Art und haben bei der Arbeit mit Laien festgestellt, dass es am besten funktioniert, wenn man guckt, was von denen kommt und was passen könnte. Da sind Claudia, Alex, Vivian und ich erfahren und haben einen entsprechenden Hintergrund. Wir suchen dann Sachen zusammen und bauen daraus ein Stück, das mit Sicherheit komische Elemente haben wird. Oder auch tragische Elemente. Das Wichtigste: es wird mit Sicherheit nicht langweilig. Momentan sind wir in der ersten Findungsphase. Konkret lässt sich momentan gar nicht sagen, in welche Richtung sich das entwickeln wird. Ich werde danach dann alles zusammen sortieren.
Was mir ganz wichtig ist: Ich werde nie auf Effekt inszenieren oder auf die Tränendrüse drücken. Wenn es aber passiert, dann passiert‘s. Also im aktuellen Stück wird auf jeden Fall getanzt, gespielt und gesungen.

Ever tried, ever failed, no matter. Try again. Fail again. Fail better.

Jonathan: Sind die Inhalte frei erfunden oder werden z.B. auch persönliche Erfahrungen der Mitwirkenden eingearbeitet?

Kemner: Wir arbeiten mit den persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden und finden dafür eine künstlerische Übersetzung. Ohne zu privatisieren. Ich muss hier aber mal den Unterschied zwischen privat und persönlich klären: Theater, das privat ist, interessiert mich nicht. Mich interessieren nicht die privaten Probleme von irgendwelchen Leuten, die auf der Bühne stehen. Was mich aber auch langweilt, wenn es unpersönlich und formal wird. Das heißt, wir nehmen die persönlichen Erfahrungen und transformieren sie in ein Stück und bringen so Bewegung in ein Lied, in eine Szene, in ein Gedicht – je nachdem, was passieren wird.

Das hat natürlich ganz stark mit der persönlichen Erfahrung zu tun, ohne, dass wir jetzt privatisieren und sagen „Och, ich bin da und da gescheitert“. Also für mich ist klar, wenn mich es nicht interessiert, warum soll es dann jemand anderes interessieren. Wir nehmen dann als Beispiel ein Theaterstück. Es gibt diese berühmte Szene aus dem Stück „Warten auf Godot“: „Lass uns gehen. Nein. Geht nicht. Wieso nicht? Ja, wir warten. Auf wen? Godot. Ach so.“ Diese Szene haben wir dann zur Improvisation freigegeben. Die Mitwirkenden sollten sich dazu etwas ausdenken. Anfangs war es noch ziemlich lustig, nach dem Motto: Wir warten auf den Pizzamann. Nach und nach sind wir dann immer mehr in die persönlichen Dinge eingestiegen.

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Jonathan: Aus welchen Menschen setzt sich die Theatergruppe zusammen?

Kemner: In diesem Jahr haben wir wieder ein breites Altersspektrum. Unsere Jüngste ist meines Wissens sieben Jahre alt. Unsere Ältesten gehen bis in die 70er herein. Leider sind uns die ganzen Leute aus den fremden Kulturen weggebrochen. Die sind oft gar nicht gekommen. Es ist also überwiegend weiße Mittelschicht vertreten. Wenig Männer. Es sind aber immer noch ziemlich unterschiedliche Leute dort. Wir haben auch ganz große Anstrengungen gemacht, diesmal körperlich eingeschränkte Menschen einzubeziehen. Letztlich ist jetzt eine Rollstuhlfahrerin bei uns. Wir haben in der Angelegenheit tüchtig Werbung gefahren, auch weil wir von der Van der Hellen – Stiftung dabei unterstützt werden (Stiftung zur Förderung der Teilhabe körperlich/geistig behinderter Menschen am kulturellen Leben, Anm. des Autors). Das war aber nicht der eigentliche Grund. Das hat sich eher aus der Auseinandersetzung mit dem Thema „Scheitern“ ergeben. Vielleicht kennst du das Beispiel: Ich ärgere mich, dass ich keinen Top-Roman schreibe. Dann gibt es aber Leute, die zum Beispiel nach einer Gehirnverletzung anfangen, wieder ihren Namen schreiben zu können. Wer ist jetzt gescheitert?

Deshalb waren wir besonders neugierig auf die Erfahrungswelten von Menschen mit Einschränkungen. Jeder hat bei uns seinen Platz. Die Struktur ist nach wie vor bunt gemischt, aber nicht ganz so breit aufgestellt, wie das in früheren Projekten war.

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Jonathan: Gibt es noch etwas, das du zum Thema „Scheitern“ loswerden möchtest?

Kemner: Ein schönes Beispiel ist – unabhängig vom Projekt – auch das Erleben des eigenen Scheiterns. Ich habe ja eine Schauspielausbildung gemacht. Als ich damit fertig war – vor über 30 Jahren mittlerweile – hatten alle ganz, ganz große Angst, kein Engagement zu bekommen. Nach außen wurde aber immer so getan: Unter Staatsschauspiel Hamburg mache ich es nicht. Als ich dann nach Detmold fuhr, sagte mir der damalige Intendant Ulf Reiher: „Ich weiß, dass das hier ne Klitsche ist, Herr Kemner. Aber ich möchte Sie als Karl Moor“ („Die Räuber“ von Friedrich Schiller, Anm. des Autors). Und damit hat er mich gekriegt. Ich habe gedacht, ja, okay, es ist eben ein kleines Landestheater. Aber da ist jemand, der mich und meine Kunst haben will. Und hier schließt sich ein bisschen der Kreis.

Ich hatte letzte Woche wieder ein Projekt mit unbeschulbaren Schülern (Titel: Zeig mir, was du kannst.) Das ganze läuft im Sinne von positiver Verstärkung – irgendwas kann jeder. Und die Schüler sind schon ziemlich klar und sagen dann Dinge, wie zum Beispiel: „Ach, unser gescheiterter Hollywoodstar“. Das trifft mich dann erst mal. Dann aber denke ich: bin ich wirklich gescheitert? Ich stelle fest, mit dem, was ich so mitbringe, wie breit gefächerte Interessen, einigermaßen Talent und die Unfähigkeit, mich selber zu verkaufen, habe ich es echt hingekriegt. Wenn ich früheren Studienkollegen beschreibe, was ich so mache, wie zum Beispiel, dass ich nur Projekte mache, die mich interessieren und seit 2008 eine feste Stelle mit genug Freiraum habe, dann sagen die: „Oh, du hast es ja gut“. Vorher habe ich das acht Jahre lang freiberuflich gemacht, was sehr hart war, weil ich für jedes Projekt ein paar Mäuse zusammenkratzen musste.

Jonathan: Herzlichen Dank für das Interview.
Was bedeutet nun Scheitern für mich persönlich?

Scheitern beginnt da, wo ich nicht mehr weiter weiß, da wo ich erst mal keine Lösung für ein Problem habe. Meistens lerne ich jedoch mit jeder Erfahrung, die ich mache, dazu. Scheitern ist für mich eine Chance, die Perspektive auf die alltäglichen Dinge zu wechseln. Für manche Menschen bedeutet es, gescheitert zu sein, wenn sie im Einkaufsmarkt kein Toilettenpapier mehr bekommen haben. Andere haben große Lebensträume, die zerplatzt sind.

Als Kind wollte ich – wenn ich mal „groß“ bin – eine Aufzugsfirma aufmachen, zusammen mit meinem damaligen Freund und Spielkameraden. Oft lebten wir auf der Straße unsere Fantasien aus. Wir malten mit Kreide die Zukunft auf den Asphalt. Häuser, Landschaften, Träume. Doch dann bin ich umgezogen, weit weg. Mein Freund blieb da, wo er war. Der Traum ist zerflossen. Ein Scheitern war das nicht für mich. Die Lage hatte sich geändert. Dann habe ich überlegt, welche Talente noch so in mir schlummern. An welchen Dingen ich Spaß hatte. All das, was mir gut tat. Erst entdeckte ich die Schulband für mich und dann das Theaterspielen. Was ich gelernt habe, war, mit dem eigenen Leben zu „spielen“.

Udo Lindenberg hat mal gesungen „Nimm dir das Leben und lass es niemals los“. Das wurde mein Motto. Mach aus der Situation, in der du bist, das Beste. Denke an deine Mitmenschen. Denke nach und denke vor. Und das Wichtigste: Wenn ich mal nicht weiter weiß, kann ich Menschen um Hilfe fragen. Die Erkenntnis, dass man nie alleine ist, hat mir geholfen, mich selbst zu verwirklichen. Viele Jahre später habe ich dann eine Erzieherausbildung gemacht. Dabei habe ich gelernt, dass gerade Kinder ständig scheitern. Beim Malen, beim Anziehen, beim Sprechen und bei den ersten Gehversuchen. Sie fallen hin und stehen wieder auf. Mehrmals.
Dabei haben sie gemerkt, dass sie nie alleine waren. Wie Martin Kemner im Interview schon das Thema positive Verstärkung erwähnt hat, war es auch für mich der Erziehungsauftrag und eine innere Haltung geworden. Was kann ich gut, und wie kann ich das, was ich schon kann, ausbauen? Mein Leitmotto war in dieser Zeit unter anderem der Satz von Maria Montessori gewesen: „Hilf mir, es selbst zu tun“. Ein gutes Beispiel sind hier Gehhilfen bei Menschen, die sich den Fuß gebrochen haben: Sie brauchen sie so lange, bis sie wieder laufen können. Generell hat Erziehung den Sinn, sich überflüssig zu machen. Wenn Kinder und Erwachsene gelernt haben, richtig hinzufallen und wieder aufzustehen, haben sie ein wichtiges Lebenswerkzeug für sich erschaffen. Ein Werkzeug, das ihnen hilft, ein gutes Leben zu haben. In einer Zeit, in der das gefährliche Coronavirus tobt, kommen Milliarden von Menschen in Existenznot. Viele haben Angst, ihre Arbeit zu verlieren und dadurch finanziell und in ihrem Leben zu scheitern.

Illustration Virus

Gerade in Krisen ist es meines Erachtens jedoch wichtig, auf das Urwerkzeug zu setzen, das man sich als Kind angeeignet hat. Nach vorne zu blicken und vor allem an seine Mitmenschen zu denken. Momentan haben über 7,7 Milliarden Menschen Angst zu scheitern – mit und an allem. Diese Angst ist verständlich. Noch nie war für alle die Herausforderung größer, wieder aufzustehen. Die weltweite Wirtschaft scheitert momentan. In vielen Werkshallen ist die Produktion gestoppt. Die Börsenkurse fallen. Städte werden zu Geisterstädten.

Auch, wenn die Verluste groß sind, auch wenn wir Menschen verlieren, die uns ans Herz gewachsen sind, auch, wenn wir unsere Arbeit verloren haben und die Welt eine andere geworden ist. Wir alle werden lernen, wieder aufzustehen und unseren Mitmenschen dabei helfen, wieder ins Leben zu finden.

Dass Scheitern und auch die Angst davor viele Formen haben kann, lernen wir momentan alle. Schwierig wird es, wenn die Gefahr unsichtbar ist. Aber wir werden auch lernen, unsichtbare Gefahr zu händeln. Alleine sind wir dabei nie.
Wir haben viele Erfahrungen, wie wir Probleme lösen können, in uns. Wir haben unsere Mitmenschen, die uns irgendwann hoffentlich wieder in den Arm nehmen können. Wir haben Politiker, Hilfsorganisationen und Nachbarn, die uns beim Aufstehen helfen werden. Momentan halten alle Abstand zueinander, halten sich zurück. Zurückhalten, abwarten ist gerade die Devise. Beim Interview mit Martin Kemner war noch nicht abzusehen, welche drastischen Auswirkungen ein klitzekleines Virus haben kann.

Momentan erlebt die Menschheit auch ein Scheitern biblischen Ausmaßes. Die Geschichte David gegen Goliath. In der Geschichte hat es ein kleiner Mann geschafft, einen sehr großen Krieger mithilfe eines kleinen Steins und einer Schleuder zu Fall zu bringen. Der Krieger hatte David unterschätzt. Heute hat es ein extrem kleines Virus geschafft, dass alles scheitert und teilweise außer Kontrolle gerät. Ein winziges Virus wurde unterschätzt. Beinahe von der gesamten Menschheit. Der Arzt Dr. Li Wenliang aus China, der schon sehr früh vor der Bedrohung gewarnt hat, wurde nicht ernst genommen. Die chinesische Regierung hatte ihm den Mund verboten. Er selbst starb an dem Virus. So scheiterte er damit, die Welt vor dem Virus zu retten, doch er behielt letztlich recht. Damit hat er gezeigt, wie wichtig es ist, für seine Überzeugung einzustehen.

Dieses Kind, das wieder aufsteht, ist noch in mir drin

Der Mut, wieder aufzustehen und keine Angst zu haben, ist heute wichtiger denn je. Jeder Mensch muss auf das hören, was ihm Mut macht, und die Hoffnung, dass es wieder besser wird. Wenn alles überstanden ist, wird die Welt eine andere sein. Eine gescheiterte Welt. Die Wirtschaft wird am Boden sein. Langsam werden die Menschen aber wieder aufstehen, sich helfen und Lebensfreude zurückgewinnen. Dieses Aufstehen wird Zeit brauchen. Viel Zeit.

Ich denke, dass viele Lehren daraus gezogen werden. Die Gesundheitssysteme der Welt werden dann besser auf solche Fälle vorbereitet sein. Banken und Industrie werden Sicherungsfonds für Notfälle einrichten. Geschäfte werden langsam ihre Regale füllen, Fabriken anfangen zu arbeiten. Menschen werden sich an einfache hygienische Regeln halten. Und irgendwann wird es einen Impfstoff gegen das Virus geben.

Die Menschen werden aufstehen und sich die Wunden versorgen. Und hier denke ich wieder an meine Kindheit zurück. Manchmal, wenn ich hingefallen bin, habe ich geweint. Einmal hat mein Bein geblutet. Das tat sehr weh. Mein Vater hat dann ein Pflaster draufgemacht.

Dann ging es nach und nach besser und ich bin wieder aufgestanden. Dieses Kind, das wieder aufsteht, ist noch in mir drin. Das Kind, das Träume hat, Wünsche und Fantasien. Diese ganzen Dinge sind es, die mir in dieser Zeit, die Hoffnung geben, dass dieses weltweite Scheitern irgendwann vorbei sein wird. Genau wie ich haben auch viele andere Menschen auf der Welt Hoffnungen, Wünsche und Träume.

Genau diese Träume sind es, an denen jeder festhalten sollte. Weil sie nicht umsonst sind. Weil sie jedem die Hoffnung geben, dass es besser wird. Ich denke, dass jeder Mensch die Kraft in sich hat, auch das schlimmste Scheitern zu überstehen.

Pflaster

Die Zeiten werden wieder besser werden. Das glaube, hoffe und träume ich. Keiner scheitert gerade allein. Wir fallen gerade alle zusammen hin. Reiche, Arme, Alte, Junge, Kranke, Gesunde – und stehen bald gemeinsam wieder auf. Denn Scheitern hört da auf, wo Träume anfangen. Geht Euren Träumen nach und haltet daran fest.

Text von Jonathan Rola
Illustrationen von Sabine Siakeu Wembou